Concerto Zampogna - Barocke Bordunmusik

Concerto Zampogna, Christian Walter

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Concerto Zampogna - Barocke Bordunmusik für Drehleier


TT 49:43 Min., Bestellnummer pT-1202, EAN 4250523312029, VÖ primTON 2015

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Concerto Zampogna - pT-1202

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Artikelbeschreibung:

Details

Joseph Bodin de Boismortier (1689-1755)
Concerto Zampogna in C-Dur, op. 28: Allegro, Largo, Allegro
Christian Walter (Leitung, Drehleier), Christine Trinks (Violine), Martin Seemann (Violoncello), Barbara Messmer (Violone), Frederique Brillouin (Bassoboe), Gösta Funck (Cembalo)

Georg Philipp Telemann (1681-1767)
Aus Der Getreue Music-Meister  : L'hiver, TWV 41:D1
Christian Walter (Leitung, Drehleier), Monika Fischaleck (Barockfagott), Ulrich Wedemeier (Chitarrone)

Aus Der Getreue Music-Meister: Pastourelle, TWV 41:D5
Christian Walter (Leitung, Drehleier), Frederique Brillouin (Bassoboe), Monika Fischaleck (Barockfagott), Ulrich Wedemeier (Chitarrone)

Michel Corrette (1707-1795)
Concerto Comique pour Trois Flûtes, Hautbois ou Violons avec la Basse, op. 8 Nr. 2 in g-moll „L’Allure“: Allegro, Adagio, Allegro
Christian Walter (Blockflöte), Christine Trinks (Violine), Martin Seemann (Violoncello), Barbara Messmer (Violone), Frederique Brillouin (Oboe), Gösta Funck (Cembalo)

Michel Corrette (1707-1795)
Aus La Belle Vielleuse: Comment l’amour soyons Enfants
Christian Walter (Leitung, Blockflöte, Drehleier), Carsten Hunt (Violone), Frank Petersen (Chitarrone)

Jacques-Christophe Naudot (1690–1762)
Les Plaisirs de Champigny ou Suite en Trio, op. 18: Lentement/ Tendrement, Gaiment, Musette, Menuet I/II, Lentement, Air de Chasse
Christian Walter (Leitung, Drehleier), Christine Trinks (Violine), Christoph Huntgeburth (Flöte)

Michel Corrette (1707-1795)
Aus La Belle Vielleuse: Ariette
Stephanie Petitlaurent (Sopran), Christian Walter (Leitung, Drehleier), Adrian Rovatkay (Barockfagott), Frank Pschichholz (Laute)

Aus La Belle Vielleuse: Le Tableau
Christoph Burmester (Tenor), Christian Walter (Leitung, Drehleier), Adrian Rovatkay (Barockfagott), Frank Pschichholz (Gitarre)

Nicolas Chédeville (1705-1782)
Sonata Prima aus Six Sonates pour la Flûte traversiere, Hautbois ou Violon, avec la Basse in e-moll, op. 7: Adagio, Allegro, Affetuoso, Giga/ Allegro
Christian Walter (Blockflöte), Monika Fischaleck (Barockfagott), Ulrich Wedemeier (Chitarrone)

Michel Corrette (1707-1795)
Concerto Comique pour Trois Flûtes, Hautbois ou Violons avec la Basse, op. 8 Nr. 3 in C „Margoton“: Adagio, Allegro, Adagio, Allegro
Christian Walter (Leitung, Drehleier), Christine Trinks (Violine), Martin Seemann (Violoncello), Barbara Messmer (Violone), Frederique Brillouin (Bassoboe), Gösta Funck (Cembalo)

 

Die Drehleier erfuhr im 18. Jahrhundert eine Blütezeit am französischen Hof, als die aristokratische Gesellschaft mit der Schäfermode auch die Instrumente der Schäfer in die Salons holte. Neben der Musette, einer Form des Dudelsacks, wurde die Drehleier zu einem Modeinstrument, für das in dieser Zeit Lehrwerke, Instrumental- und Orchesterstücke geschrieben wurden.
Eine möglichst vielfältige Auswahl an Musikstücken aus dieser Epoche haben wir hier aufgenommen.

Das Doppelkonzert von Joseph Bodin de Boismortier mit dem Titel Zampogna (Dudelsack) steht im Anhang der 6 Sonates en Trio pour Deux Hautbois, Flûtes-Traversieres ou Violons, avec la Baße, op. 28: Suivies de Deux Concerto dont le premier se joue sur la Musette, la Viele ou la Flûte-à-bec.
Die Instrumentenauswahl der beiden Soloparts ist hier wie bei fast allen französischen Stücken frei wählbar: Violine, Oboe, Flöte und wie im Autographen ausdrücklich hervorgehoben für den ersten Part auch die Drehleier, auf Französisch: viele oder vielle.
Für den zweiten Part des Konzertes verwenden wir die Bass- oder Tenoroboe, ein selten gespieltes Instrument, das im 18. Jahrhundert hauptsächlich als Consortinstrument verwendet wurde: Sie ist die tiefste Oboe und liegt damit zwischen der Taille d’Hautbois (bzw. Oboe da caccia) und dem Fagott. Die Bassoboe ist allerdings die tiefste Oboe, daher die Namensgebung. Das tiefe Timbre des Instruments kontrastiert in dieser sehr reizvollen Besetzungsvariante stark zur Diskantlage der Drehleier. Die beiden Soloparts wirken dadurch im Zusammenspiel besonders spannungsvoll, anders als bei einer Besetzung des Stückes mit Instrumenten in gleicher Stimmlage.

Georg Philipp Telemann war der deutsche Komponist des 18. Jahrhunderts, der sich am meisten für ungewöhnlichen Instrumente und deren Kombinationen interessierte. Schon in seiner Frankfurter Zeit beschäftigte er sich mit der Drehleier. Er schrieb die Streichersinfonie La Lyra (TWV55Es3). Dies belegt eine Abschrift aus Darmstadt, die auf ca.1725 datiert wurde. In dem Satz La Vielle imitieren die vier Streicher das Instrument: Die Geige – die Melodie und die drei anderen Streicher – die Bordunsaiten. Auch die darin enthaltene Sicilienne ist ein typisches Drehleierstück und hat Ähnlichkeit mit dem mittleren Satz im Boismortier-Konzert.
1737/ 38 reiste Telemann nach Paris und lernte die dortigen Komponisten und ihre Werke kennen. In seiner leider verschollenen „Scherzenden Sinfonie“, verwendet er das allgemein bekannte Spottlied Père Barnabas. Angeregt wurde er möglicherweise durch das Concerto comique pour la musette, viele, flûte, hautbois, violon, pardessus de viole, avec la basse von Michel Corrette. Dies lässt die Vermutung zu, dass er in der Sinfonie wie Corrette die Drehleier verwendet hat. Da uns jedoch dieses Werk nicht mehr zugänglich ist und kein originales Werk von Telemann für die Drehleier überliefert wurde, hat es mich gereizt, die beiden Stücke aus dem Getreuen Musikmeister mit der französischen Instrumentenbezeichnung Pour divers instruments mit Drehleier zu besetzen.

Die beiden Concerti L’Allure und Margoton von Michel Corrette stammen aus den 6 Concerto Comique pour Trois Flûtes, Haut-bois ou Violins avec la Basse. Beim Concerto Margoton ist in der ersten Flötenstimme vermerkt, dass dieser Part auch auf der Drehleier gespielt werden kann.

Eine Ausnahme in der Instrumentenbesetzung bildet das Trio op. 18 von Jacques-Christophe Naudot Les Plaisirs de Champigny, für Dudelsack oder Drehleier, Flöte und Violine. Hier sind nur die Bordun-Instrumente mit gleichem Tonumfang Drehleier und Dudelsack austauschbar. Die Flöten- und die Geigenparts sind so speziell auf die Idiomatik der Instrumente zugeschnitten, dass sie nicht wie sonst üblich umbesetzt werden können. Naudot schrieb außerdem sechs Drehleierkonzerte, die er dem Virtuosen Danguy gewidmet hat.

Die Variationen über das Lied Comment l’amour soyons Enfants, die Ariette und das Lied Le Tableau de Paris stammen aus der wohl berühmtesten, wenn auch nicht ausführlichsten Drehleierschule: La Belle Vielleuse – Methode pour apprendre Facilement à Jouer de la Vielle, Paris 1783 von Michel Corrette. Diese Schule wurde in Deutschland sogar bis weit ins 19. Jahrhundert hinein nachgedruckt. Corette veröffentlichte auch zahlreiche andere Unterrichtswerke, unter anderem für Gitarre, Cembalo, Violine, Violoncello und Musette.

Nicolas Chédeville beherrschte selbst virtuos die Drehleier und schrieb sehr viel Musik für dieses Instrument, um die italienische Musik für dieses Instrument zugänglich zu machen. So veröffentlichte er Vivaldis Le quattro stagioni unter dem Namen Les Saisons Amusantes in einer Fassung für Violine, Drehleier, Flöte, Oboe und Basso Continuo und komponierte auch eigene Stücke im Stile Vivaldis für das Instrument, wie seine sechs Sonaten ll pastor fido, op. 13, eindrucksvoll belegen.
Als Reverenz an diesen großen Drehleierpionier Chédeville haben wir eine seiner, nicht minder schönen Flötensonaten aufgenommen.

Christian Walter