My Diamond, My Queen

Concerto Zampogna, Christian Walter

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Concerto Zampogna

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Artikelbeschreibung:

Details

My Diamond, My Queen

Concerto Zampogna

  • Jacques-Christophe Naudot (1690-1762): Konzert für Drehleier und zwei Violinen C-Dur Nr. 3, Op. 17 (Allegro / Adagio / Allegro)
  • The Modern Musick-Master or The Universal Musician, London 1731 von Peter Prelleur:
    • William Babell (1689-1723): Prelude F-Dur für Cembalo solo
    • Henry Purcell (1659-1695): And each Track of Glory
    • Anonymus: Love and Wine are Pleasures
    • Anonymus: As I lay in a cooling Shade
    • Anonymus: The Lovers Treasure
  • Anonymus: Bellamira, aus: The Division Flute, London 1706 und The Dancing Master, London 1709
  • Calliope, or English Harmony, London 1739:
    • Anonymus: Blooming Fanny
    • Anonymus: Thirsty Toper
    • Anonymus: The Fly
  • John Playford (1623-1686): Madge on a Tree - The Godessies, aus: The Dancing Master, London 1709, John Walsh & Peter Randall, London 1709 (Variationen: Christian Walter 2015)
  • Michele Mascitti (1664-1760): Sonata für Violine und Basso Continuo F-Dur (Adagio-Presto-Allegro-Allegro / Allegro)
  • Georg Friedrich Händel (1685-1759): Pifa, aus: Der Messias, HWV 56: Nr. 12
  • Georg Friedrich Händel (1685-1759): Tanz von Charletans, aus der Oper Almira, Königin von Castilien, HWV 1
  • Henry Purcell (1659-1695): Scottish Tune (Variationen: Christian Walter 2015)

Concerto Zampogna:
Christian Walter: Drehleiern, Blockflöten, Gesang, Barockfagott und Leitung
Juliane Schubert: Sopran
Dorothee Mühleisen: Violine, Viola
Christine Trinks: Violine
Silke Strauf: Viola da gamba
Johanna Oelmüller Rasch: Violoncello
Inka Döring: Violoncello
Annette Rheinfurth: Kontrabass
Anna Maria Fitzenreiter: Barockharfe
Gösta Funck: Cembalo

Aufnahme und Mastering: Christian Hagitte
Concerto Zampogna spielt in Schloss Seehaus
TT 43:53 Min., Bestellnummer: pT-1203, EAN 4250523312036, primTON 2020

 

Auf der ersten Concerto Zampogna CD von 2015 ging es vor allem um die Drehleier Musik in Frankreich. Auch auf unserer neuen, an­sonsten eher englisch geprägten CD darf ein französisches Concert aus dem Geburtsland der Vielle nicht fehlen. 
Die 6 Concerti von Jacques-Christophe Nau­dot sind dem französischen Drehleiervirtuo­sen Danguy gewidmet. Auch andere Kom­ponisten wie Nicolas Chédeville widmeten dem Spieler ihre Werke. Seine Bearbeitung der Violinkonzerte Le quattra stagioni von Antonio Vivaldi für Drehleier gehören zu den virtuosesten Partien im Repertoire für das Instrument. Typisch für die französischen Concerti in der Zeit ist das Fehlen einer Bratschenstimme. Auch das 3. Concerto ist mit Drehleier, 2 Violinen und dem Basso continuo nur sehr klein besetzt. Interessant ist, wie wunderbar der Klang der Geigen mit der Drehleierklangfarbe verschmilzt. 
Leider gab es in England, ähnlich wie in Deutschland keine Komponisten, die explizit für Drehleier komponierten. Das lag vor allem daran, dass dieses Instrument vorwiegend von Dorfmusikanten gespielt wurde, die keine Noten lesen konnten. Der berühmteste eng­lische Komponist Georg Friedrich Händel imitierte jedoch gleich in zweien seiner Werke Drehleier und Dudelsack. Bei seiner ersten 1705 in Hamburg uraufgeführten Oper Amira, Königin von Castilien steht folgende Regieanweisung: "Tabarco sitzet in einer lächerlichen Kleidung auf sein Pferd und praesentiret di Narrheit. Vor ihm her eine Leyer und Sackpfeiffe. In dem Gefolge sind Harlequeins, Charletans, etc."
Da es im Hamburger Orchester keine Drehleier- und Dudelsackspieler gab, besetzte Händel diese Partie mit Oboen und Fagotten, während auf der Bühne die Schauspieler mit Drehleiern und Dudelsäcken posierten. In der Pifa aus dem Weihnachtsteil des Messias sind Dudelsack und Drehleier zwar nicht besetzt, doch auch hier imitieren diesmal die Streicher die beiden Borduninstrumente für die Hirtenszenerie, was vermuten lässt, dass die in Frankreich so pouläre Hirtenmusik-Mode auch in England des 17. und 18. Jahrhunderts angekommen war.
In England gibt es eine lange Improvisationstradition, bei der über gleichbleibende Ostinatobässe, den sogenannten Grounds, Melodien verziert und diminuiert werden. Ein Beispiel hierfür ist das Lied Bellamira. Die Melodie taucht zum ersten Mal in der Sammlung The Dancing Musick-Master von John Playford auf. Hier fehlen Bass- und Begleitstimmen, die die Spieler wohl improvisiert haben. Diese sehr populäre Sammlung wurde über 200 Jahre immer wieder neu aufgelegt und überarbeitet. Bellamira erscheint später noch in einer anderen Sammlung, der Division Flute (London 1706) mit Grounds und ausnotierten Variationen.
Das Erlernen eines Instrumentes im Kontext der Alten Musik führt zwangsläufig zur Beschäftigung mit historischen Instrumentalschulen. Da ich bisher keine einzige englische Drehleierschule gefunden habe, untersuchte ich verschiedene Instrumentalschul-Sammlungen, in der Hoffnung, dort etwas über die Drehleier zu finden. Leider wurde ich zwar nicht fündig, entdeckte aber wunderschöne Lieder und versuchte sie mit der Drehleier in der Art französchischer Instrumentalschulen (z.B. die von Michel Corrette La Belle Vielleuse, Paris 1783) zu begleiten. Zwei davon sind auf der ersten CD von Concerto Zampogna zu hören.
Peter Prelleur, der anonyme Verfasser des Modern Musick-Master war französischer Abstammung. Wann er nach London kam, wissen wir nicht. 1728 wurde er Organist an St. Alban, Wood Street und 1735 an der Christ Church, Spitafields. Daneben wirkte er als Cembalist und Komponist am Goodman's Fields- und später am New Walls Theatre. Sein Tod fällt in die Zeit zwischen 1748, dem Jahre seines letzten datierten Werkes und 1758, wo er im Vorwort zur Divine Melody (einer Kirchenliedsammlung von Prelleur und J. H. Moze) als verstorben erwähnt wird. Seine lnstrumentalschulensammlung The Modem Musick-Master ist sehr kurz gefasst. In der Newest Method for Learners aus The Modern Musick-Master or the Universal Mu­sician (London 1731) besteht die Traversflö­tenanleitung aus gerade einmal 12 Seilen. Sie ist ein Extrakt aus Hotteterres Principes de la flute traversière, die um 1707 allgemein bekannt wurde. Körperhaltung, Tonleitern, Kadenzen werden theoretisch beschrieben, dann kommen Übungen für die Artikulalion, schließlich werden die Notenwerte erklärt und eine Grifftabelle angehängt. Es folgen Tänze und Arien. 
Auch Prelleurs Kapitel für Gesang, Blockflöte, Oboe, Violine und Cembalo sind ähnlich knapp gehalten. Sie versammeln damals populäre Musikslücke aus ganz Europa, die teilweise nirgtndwo anders ediert wurden. Bedauerlicher Weise fehlt in Prelleurs Instrumental­schul-Sammlung ein Kapitel über die Drehlei­er, was nur noch einmal mehr beweist, wie wenige englische Drehleierspieler Noten oder das Lesen allgemein beherrschten. Aus seinem Cembalokapitel stammt das Prelude in F von William Babell. 
Der Geiger Mascitti war einer der großen Virtuosen seiner Zeil. In Neapel ausgebildet, gastierte er in ganz Europa, bis er sich 1704 in Paris niederließ. Bei seinem in Prelleurs Violinschule abgedruckten Air fehlt leider die Bassstimme. Wohl als Legato- und Saiten­wechselübung gedacht, trägt es die Satzbe­zeichnung Presto. Unsere Versuche, das Presto in einer der über 90 überlieferten Mascilli Violinsonaten zu finden, blieben erfolglos. Seine von uns für die CD ausgewählte Sonate III in F-Dur zeigt jedoch sehr schön seinen Corellianischen Einfluss. 
Die der Gesangsschule entnommenen Lieder haben im Gegensatz zu den Stücken der In­strumentalschulen eine Bassstimme. Da ähnlich wie beim Dancing Master in Eng­land viel improvisiert wurde, habe ich die Lieder durch Vor- und Zwischenspiele mit Violine, Flöto und Leier ergänzt. Eine gängige Praxis war, dass Sänger sich selbst instrumental begleiteten; meist mit den Harmonieinstrumenten Cembalo, Orgel oder Laute. Aber auch andere Continuoinstrumente wie Harfe oder Gambe wurden verwendet. Um ein möglichst farbiges Klangbild zu erzeugen, haben auch wir alle Lieder sehr verschieden besetzt.
Im Unterschied zu den anderen Liedbegleitungs-Instrumenten ist die Drehleier in erster Linie ein Melodie- und kein Harmonieinstrument. Die Bordune ermöglichen jedoch in den Drehleiertonarten C-Dur, G-Dur, c-Moll und g-Moll zumindest teilweise eine harmonische Funktion. Mit der Schnarre hat man ein dem Cambalo ähnliches percussives Element.
Zu den Prelleur-Liedern haben wir noch zwei Songs der 1739 in London publizierten Sammlung Calliope ausgewählt. In beiden Sammlungen sind die Lieder zum großen Teil von anonymen Komponisten. Sie versammeln Liebeslieder (The Lovers Treasure, Blooming Fanny, As I lay in cooling shade), Trinklieder (Thirsty Toper, Love and Wine alre pleasures) und auch philosophische Lieder (The Fly). Eine Ausnahme bildet unser Schlussstück And each Track of Glory von Henry Purcel. Dieses festliche Stück wurde dem Yorkshire Feast Song entnommen, eine Art Kantate, die 1689 komponiert wurde. Jährlich besuchten die Oberen von Yorckshire London und feirten dort ein Fest, das mit einem Gottesdienst begann, um ihren Stolz und ihre Treue für das Land zu bekunden. Dass das Lied noch populär war, zeigt die Übernahme desselben in Prelleurs Gesangsschule 40 Jahre später. Dieses eigentlich chorisch gesetzte Lied haben wir, bis auf die Oberstimme, instrumental besetzt.

Christian Walter (Berlin, November 2020)